Medienrhetorik

Coronavirus: Aktuelle „Real Talks“ rhetorisch analysiert

p

Rhetorische Analyse zu aktuell publizierten Real Talks zur Corona-Pandemie von Dr. Wolfgang Wodarg, Leon Lovelock und Carmen Geiss: Welche rhetorischen Stilmittel und Strategien wenden sie an, um ihre Ansichten zu plausibilisieren?

März 19, 2020

Written by Carina D. Bukenberger

Germanistin und Rhetorikerin M.A.

1. Real Talks und Fake News

Nachdem wir uns in der vergangenen Woche mit der Ansteckungsgefahr von Verschwörungstheorien am Beispiel von „Dr. Rolf Kron spricht Klartext – Der Coronavirus ist ein Schwindel mit System!“ auseinandergesetzt haben, tauchen wir in dieser Woche noch weiter ein, in die Welt der Corona-Fake News, Real Talks und Mindfucks – wie Leon Lovelock sagen würde. Welche Verschwörungstheorien und Falschmeldungen finden aktuell in der Gesellschaft Anklang und vor allem, welche rhetorischen und sprachlichen Mittel werden für deren Plausibilisierung und Verbreitung in den sozialen Medien genutzt? Wir betrachten im Folgenden die Strategien prominenter Anhänger:innen von Verschwörungstheorien und von Mediziner:innen, die via YouTube und Instagram ihre Theorien zum Coronavirus publizieren. Dabei soll – wie bereits im letzten Artikel – nicht der Wahrheitsgehalt der Theorien zum Coronavirus im Fokus unserer Betrachtungen stehen, sondern viel mehr die sprachliche und rhetorische Aufbereitung der einzelnen Theorien.

2. Wann wird ein Talk zum #realtalk?

Der Begriff Real Talk erfreut sich unter Influencer:innen und YouTuber:innen bereits seit längerer Zeit größter Beliebtheit: Er wird geschickt in Videotitel eingewoben, um eine Enthüllung großer Geheimnisse zu implizieren. Dass diese Erwartungen nicht immer erfüllt werden und die Verwendung des Begriffs „Real Talk“ damit in den meisten Fällen als Clickbait zu werten ist, verraten häufig bereits die Videotitel selbst: LauraJoelle: „Warum hast du ständig einen neuen Freund? – Real Talk“, TimGabel: „MONTANABLACK über Zeit als Drogenjunkie, Skanale, Casino Streams (Realtalk) & sein Antrieb (+Yapi)“, Cheasy: „Inscope21 & Tim Gabel REALTALK über „INSOLVENZ“, Adorable Caro: „Ich starb fast vor Herzschmerz… (no clickbait) | ACs Real Talk | Ep 2- Adorable Caro“, Dalia Mya: „Social Media REALTALK.. Die WAHRHEIT!!!“ und Sami Slimani: „Lernt diese Dinge, bevor es zu spät ist.. | Real Talk“.

Leider existieren bislang nur wenige stichhaltige Definitionen zum Begriff „Real Talk“, die sich ebenso wenig in einen wissenschaftlichen Rahmen integrieren lassen. Wir möchten es dennoch versuchen, mit der Erläuterung von Urban Dictionary: „[Real Talk is] a term used for talking about things that are profound or meaningful. […] Real Talk can be used in the sense to affirm what someone is saying as a true, or valid statement and that they are expressing sincere thoughts and opinions.“ Es geht also um tiefgreifende Aussagen zu bedeutungsvollen Themen. Üblich ist die Verwendung des Begriffs in Form einer externen Bestätigung bzw. als Zuschreibung einer bestimmten Qualität und Tiefe durch eine außenstehende Person. Da sich jedoch die oben gelisteten YouTuber:innen selbst diese Qualität und Tiefe zuschreiben, verliert der Begriff medial sukzessive an Ausdruckskraft. 

bedeutungonline.de bezieht zudem mögliche Konsequenzen des Real Talks in die Definition mit ein: „Beim Realtalk geht es darum, dass eine Person sich so zeigt, wie sie ist – ohne Angst vor negativen Konsequenzen zu haben.“ Dieses Kriterium erfüllen alle im Folgenden genannten Beispiele, da sowohl Dr. Wolfgang Wodarg als auch Leon Lovelock und Carmen Geiss mit heftigen medialen Reaktionen bedacht wurden, mit deren Konsequenzen sie wohl noch einige Zeit zu kämpfen haben werden. So reagierte beispielsweise Rapper Bushido in einer Instagram Story auf Lovelocks Video mit den Worten „[…] Schäm dich für deine irrwitzigen, arroganten und weltfremden Äußerungen. Deine Interviews sind schon der letzte Schrott, aber dein beschränktes letztes Video ist die Kirsche auf der Torte. @leonlovelock“.

3. Rhetorische Analyse zu "Stunning insights into the Corona-Panic by Dr. Wolfgang Wodarg / Erstaunliche Einblicke in die Corona-Panik von Dr. Wolfgang Wodarg"

Wodarg stellt sich als Internist, ehemaliger Amtsarzt und Ex-Bundestagsabgeordneter als einer der wenigen gegen den großen wissenschaftlichen Konsens: Laut Dr. Wolfgang Wodarg seien die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie völlig übertrieben. Es folgen transkribierte Original-Ausschnitte aus dem Video „Stunning insights into the Corona-panic by Dr. Wolfgang Wodarg“, veröffentlicht am 13.03.2020 auf dem YouTube-Kanal „OVALmedia“. Abrufbar unter: https://youtu.be/p_AyuhbnPOI [Stand: 19.03.2020] 

"Ich möchte etwas erzählen..."

„Ich möchte etwas erzählen über die Coronavirus-Epidemie, die wir angeblich haben sollen. Und ich dachte erst dieser Hype geht wieder vorbei, als das losfing, aber das hat sich ja so gesteigert, dass ich denke, da muss man mal genauer drüber nachdenken. Und ich, ich war Amtsarzt, ich hab ein Gesundheitsamt geleitet, ich hab ein eigenes Sentinel gehabt, ein eigenes Monitoring-System für Grippeerkrankungen, hab jedes Jahr in meinem Bereich, das waren 150.000 Einwohner, immer beobachtet, wie viele Menschen werden krank […]“

Mit freundlichen Worten beginnt Dr. Wolfgang Wodarg seinen Vortrag, deutet mit Formulierungen wie „angeblich“ und „Hype“ jedoch bereits an, in welche Richtung seine Enthüllungen gehen werden. Auch Wodarg nutzt, wie bereits Dr. Rolf Kron, seine medizinische Ausbilung und bisherige berufliche Errungenschaften direkt zu Beginn, um seine folgende Argumentation zusätzlich zu legitimieren.

"Die Politik hängt sich aus dem Fenster."

„[…] Da waren dann die Virologen wieder, die sagten – die Politik hat sich umgeguckt, es kam von den Virologen, also haben sie die eigenen Virologen gefragt und die meinten dann ach, das sei eine wichtige Sache, wir können da einen Test machen, wir können euch helfen, dass wir das auch wie in China dann sehen können. Also das heißt, da ist was gesponnen worden, ein Netz von Informationen, von Meinungen, hat sich entwickelt in diesen Fachkreisen und die Politik hat sich an diese Fachkreise gewandt, die damit angefangen haben. Hat sich das angezogen, dieses Netz und hat sich in diesem Netz bewegt auch. Und das hat dazu geführt, dass sie sich jetzt, die Politik sich aus dem Fenster hängt. Und diese Argumente praktisch benutzt auch, um einzuschätzen, wem geholfen werden muss, was da an Notmaßnahmen geschieht, was verboten werden muss, wer in Quarantäne muss, all diese Dinge, die sind davon abgeleitet. […]“

Nach einer ausführlichen und verhältnismäßig informativen (hier nicht transkribierten) Schilderung, wie es zur Entwicklung der Corona-Tests kam, beschreibt Wodarg das Zusammenspiel von Politik und Wissenschaft. Es sei ein Netz aus Informationen und Meinungen gesponnen worden, das sich die Politik aktiv „angezogen“ habe, um sich darin zu bewegen. Diese Personifikation kulminiert im skurrilen Bild, einer „sich aus dem Fenster häng[enden]“ Politik. Welche politischen Maßnahmen Wodarg damit versucht zu beschreiben, wird leider nicht ausgeführt. 

"Der König ist nackt."

„[…] Und das heißt, dass jetzt es ganz, ganz schwer wird, für Kritische, zu sagen „Halt, da ist aber gar nichts los!“ und das erinnert mich an das Märchen mit dem König, der eben gar keine Kleider anhatte. Und nur ein kleines Kind, das dann sagt „Der ist ja nackig!“. Das heißt die anderen, die Hofschranzen, die um die Regierung rum sind und die die Regierung um Rat fragt, weil sie selber gar keine Ahnung haben kann, sie sind ja keine Fachleute, die haben das alles mitgemacht, die haben hofiert. Und so werden jetzt auch die Politiker hofiert von vielen Wissenschaftlern. Wissenschaftler, die wichtig sein wollen in der Politik, weil sie Gelder brauchen für ihre Institute. Wissenschaftler, die dann in diesem Mainstream und die dann auch was haben wollen. Wir können auch helfen! Wir haben eine App und wir haben ein Datenprogramm, wir können das machen. Da gibt’s ganz viele, die sagen, hier wir wollen da auch helfen. Das heißt die wollen auch Geld verdienen damit, wollen wichtig werden damit. Aber da fehlt bei uns, eigentlich fehlt so diese nüchterne Betrachtungsweise, die einfach fragt, und woran habt ihr das erkannt, dass es gefährlich ist? Wie war’s denn vorher? Habt ihr das nicht letztes Jahr auch schon? Ist das überhaupt was Neues? Das fehlt. Und es ist wirklich so, der König ist nackt.

Seine weitere Argumentation baut Wodarg auf einem Vergleich auf: Er verwendet die Coronakrise und das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ als Relata (als zu vergleichende Objekte). Dieser Vergleich soll besonders aufrüttelnd wirken, da die Lehre des Märchens (Individuen sind leicht zu beeinflussen) gesellschaftlich längst als gleichermaßen bekannt, wie anerkannt gilt. Diesen Vergleich weitet Wodarg zu einer ganzheitlichen Allegorie aus, indem er die Hofschranzen mit regierungsnahen Wissenschaftler:innen vergleicht. Die Argumentation kulminiert in dem Vorwurf, dass Wissenschaftler:innen, die sich mit dem Thema Coronavirus beschäftigen, lediglich an Geld und Ruhm interessiert seien, nicht aber an einer Verhinderung, Eindämmung oder Verlangsamung der Corona-Epidemie. 

Die Interviews zur Corona-Pandemie von Dr. Wolfgang Wodarg wurden uns zur rhetorischen Analyse vorgeschlagen, da sie in diversen wissenschaftlichen Faktenchecks durchgefallen sind. Das rein rhetorische Fazit zu Wodargs Bewertung der aktuellen Corona-Situation fällt allerdings vergleichsweise milde aus: Wodarg nutzt legitime rhetorische Mittel, um die Maßnahme gegen die Verbreitung des Virus als reine Panikmache darstellen, die in Quantität und Qualität sowohl dem Setting als auch der Zielgruppe weitestgehend angemessen sind. Der Arzt stellt unterschiedliche Thesen auf, die in Teilen durchaus zutreffend sind, jedoch stark verkürzt wurden. Auf diese Weise lässt er ein Bild der aktuellen Situation entstehen, das falsche Hoffnungen auf eine rasche Bewältigung der Corona-Krise weckt.

SEO für Arztpraxen, Ärztehäuser und Kliniken

Professionelle Suchmaschinenoptimierung nach neuesten technischen Standards für den Bereich Medizin und Gesundheit

4. Rhetorische Analyse von "Die CORONA Verschwörung | Wie sie uns langsam lahm legen | Wacht auf! #2020 - Leon Lovelock"

Es folgen transkribierte Original-Ausschnitte aus dem Video „Die CORONA Verschwörung | Wie sie uns langsam lahm legen | Wacht auf! #2020 – Leon Lovelock“, veröffentlicht am 15.03.2020 auf dem YouTube-Kanal „Leon Lovelock“. Abrufbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=IBWjaQ125Js [Stand: 19.03.2020] Im Intro sowie im von ihm verfassten und gepinnten Kommentar betont Leon Lovelock die Unabhängigkeit seiner Aussagen: „Mein Kanal, Meine Plattform, Mein Recht zu sagen was ich denke und fühle !“ (Unkorrigierter Original-Kommentar).

Aktualisierung, 22.03.2020: Das entsprechende Video wurde zwischenzeitlich von Lovelock vom YouTube-Kanal (https://www.youtube.com/user/90lovelock) entfernt.

"Es schwimmen zu viele Menschen auf dem Zug."

„[…] Das was grade passiert das wird mir einfach zu viel, so. Das ist mir einfach viel zu viel, Digga. […] Ihr wisst, ich hab einmal ein Video gemacht über Verschwörungstheorien, Nipsey Hussle, mit Dr. Sebi etc. […] Da habt ihr schon gemerkt, dass ich jemand bin, der immer sehr viel hinterfragt und skeptisch ist, einfach skeptisch ist. Ich nenn mich nen Skeptiker so. Egal in welche Richtung. Ich bin auch ein Skeptiker bei den ganzen Verschwörungstheorien. Aber auch ein riesen Skeptiker von den Mainstream-Medien und was die uns erzählen, von der Regierung etc. Und deswegen muss ich hier einmal ganz kurz was dazu sagen, weil das was grade passiert, das wird mir zu echt. Das wird mir zu real und es ist offensichtlich, was hier grad passiert und es schwimmen mir viel zu viele Menschen auf dem Zug oder auf dem Strom mit. Es gibt viel zu wenige Leute, die mal reflektiert hinterfragen, was da grade passiert, so. Es gehen paar Sprachmemos rum, paar Stories, paar Berichte und alle rennen in die Läden rein, kaufen sich Sachen. […] Und was machen wir alle? Wir gehen mit drauf, wir propagieren mit denen zusammen. Die pflanzen in unseren Köpfen irgendwas ein und wir verbreiten das, wir teilen das. Wir reden darüber den ganzen Tag. […] Sag mal, checkt ihr nicht, dass die genau das schaffen, was sie schaffen wollen? Angstmacherei, Kontrolle, uns vorschreiben, was wir zu tun haben und was wir nicht zu tun haben, Freiheit einschränken. Versteht ihr nicht, was da grade passiert so? Die wollen genau das und es ist mir jetzt auch scheißegal, Digga, was mit meiner Reichweite passiert. Ihr könnt gerne den Xavier mit mir machen. Macht den Xavier mit mir! Sagt, ich bin verrückt, ich hab ne Psychose, was weiß ich. Aber ich werd meine Fresse an der Stelle jetzt hier nicht mehr halten so, geht nicht. […]“

Von Beginn an versucht Lovelock sein Image als „Skeptiker“ zu formen, indem er ein Video seines eigenen Kanals als Beleg anführt. Er sieht sich und seine Zuschauer:innen als „Freigeister“, die die Mainstream-Medien „reflektiert hinterfragen“. Die repetitive Verwendung des Begriffs „Skeptiker“ soll diesen Eindruck stützen. Ebenfalls repetitiv verwendet wird im gesamten Video die Anrede „Digga“. Diese direkte Hinwendung an die Adressierten dient dem Aufbau von Nähe und Bindung. Mit Nipsey Hussle, Dr. Sebi, Kollega, Kianush und Xavier Naidoo ruft Lovelock Namen auf, die seine Expertise im Bereich der Verschwörungstheorien belegen sollen. Mit der Aufforderung „Macht den Xavier mit mir!“ sonnt sich Lovelock im Schein seines Vorbildes und impliziert gleichzeitig eine gewisse inhaltliche Nähe zu den Videos von Naidoo, der erst vergangene Woche aufgrund der Publikation rassistischer und verschwörungstheoretischer Aussagen unter anderem von der Produktion von RTLs „Deutschland sucht den Superstar“ ausgeschlossen wurde. 

"Nochmal: Dieser Virus ist nicht tödlich."

„[…] Ich bin bereit für meine Freiheit zu sterben so. Und jeder von uns muss bereit dafür sein, wenn wir hier auf dieser Welt leben so. Wir lassen uns nicht einschränken. Es kann doch nicht sein, dass wir uns zuhause einsperren, wegen einem Virus, der nicht tödlich ist. Ja ne, so, das kann nicht sein. Das sind Kriegszustände, Digga. Wegen einem Virus, der nicht tödlich ist, nochmal: Dieser Virus ist nicht tödlich. Ein normaler, gesunder Mensch, kann von diesem Virus nicht sterben. Es ist Fakt. Es ist bewiesen. Hinterfragt mal die ganze Scheiße, was steckt da dahinter, was machen die grade mit uns? Was machen die grade mit uns, Digga? Alle Leute, die bis heut für verrückt erklärt wurden, wegen Agendas, wegen Theorien, die uns versucht haben Dinge zu sagen, hört diesen Menschen zu und diese Menschen sollen jetzt bitte aufstehen. Ob es ein Kollega ist, ob es ein Kianush ist, ob es ein Xavier ist, Digga. Das sind die Menschen, die ich in unmittelbarer Nähe mal getroffen hab, mit denen ich mich unterhalten hab und wo ich gemerkt hab, das sind genau diese Leute, die von draußen für verrückt erklärt werden, die noch vor dem Interview zu mir sagen, Bruder, ich kann nicht alles erzählen, sonst werden die Leute mich ficken. Die werden mich für verrückt erklären. Diese Leute müssen jetzt aufstehen und alles sagen, was sie wissen. […]“

„Ich bin bereit für meine Freiheit zu sterben.“ – Lovelock bedient sich eindrucksvoller, pathetische Bilder, die seine menschliche Größe veranschaulichen sollen. Er erweitert dieses Bild und schließt seine Zuschauer:innen ein: „Wir lassen uns nicht einschränken.“ Ergänzt wird dieses leicht forcierte Gemeinschaftsgefühl durch Imperative wie „Hinterfragt mal“ und „Hört diesen Menschen zu“. Diese Formulierungsweise lässt darauf schließen, dass Lovelock auf eine bereits bestehende Anhänger:innenschaft zählt, die durchaus bereit ist, seinen Worten Folge zu leisten. Lovelock impliziert, dass mehrere prominente Personen „die Wahrheit“ kennen, sie jedoch nicht kommunizieren dürfen, da sie mit heftiger Gegenwehr seitens „der Leute“ zu rechnen hätten. Damit ist das Kriterium der vermeintlichen Illegitimität dieser Verschwörungstheorie erfüllt.

"Da steckt ein Plan dahinter, Freunde."

„[…] Ich bin keiner der alles weiß, aber ich verstehe, ich verstehe, ich gucke einfach, ich gucke, ich sehe. Ich sehe was passiert und für mich ist eine Grenze überschritten. Und ich muss jetzt alles tun und alles sagen mit meiner Reichweite, was ich tun und sagen kann, so. Und es ist mir auch scheißegal, was da jetzt was dazu sagt, was kommentiert und was bewertet wird, das interessiert mich nicht. Es juckt mich einfach nicht. Aber denkt doch einfach mal nach, was passiert hier grade so, was passiert hier grade, Digga. Da steckt ein Plan dahinter, Freunde. Die wollen uns einschränken, die wollen uns kontrollieren. Das ist der erste Schritt, das ist der erste Schritt, guck mal wie weit die das getrieben haben. Es gab es schon öfters, es gab Schweinegrippe, Vogelgrippe, alle zwei, drei Jahre kommt eine neue Grippe, ein neuer Virus, der uns anscheinend irgendwie ausrotten soll. Aber dieses Mal sind sie einen Schritt weitergegangen. Und ich will nicht, dass wenn dieser Virus in ein paar Monaten oder ein paar Wochen vorbei ist, dann alle normal weiterleben und denken, oh ja, zum Glück haben wir das überlebt so. Ne, der nächste wird kommen. […]“

In diesem Abschnitt wird Lovelock konkreter: Er guckt, sieht und versteht (offenbar gleich mehrfach) und hat als einer der Wenigen verstanden, dass „eine Grenze überschritten“ worden ist. Leider wird an dieser Stelle nicht erwähnt, welche Grenze er genau meint und wo die vermeintliche Kontrolle stattfindet. Indem er diesen Punkt weiterhin diffus lässt und lediglich von Plänen, Einschränkungen und Kontrollen spricht, lässt er seine Zuschauer:innen weiterhin auf die große Enthüllung hoffen. Bereits hier beginnt Lovelock mit der auffällig häufigen Verwendung deiktischer (indexikalischer) Ausdrücke, also „Zeigewörtern“ (im Folgenden orange hervorgehoben): „wie weit die das getrieben haben“, „was die uns sagen“, „was die in Zeitungen schreiben“ etc. 

"Wir sollten Angst davor haben, was die Regierung mit uns macht."

„[…] Der nächste Schritt wird kommen, Freunde. Der nächste Schritt wird kommen, 100%. Da bin ich 100% von überzeugt so. Der nächste Schritt wird auch kommen. Wir müssen jetzt aufhören, das alles so larifari einfach hinzunehmen, was die uns sagen. Wir dürfen nicht mehr das tun, was die uns sagen, was die uns im Fernsehen mitgeben, was die in Zeitungen schreiben, wir dürfen denen nicht zu hören, dürfen wir nicht. Es ist kein Geheimnis, es ist kein Geheimnis mehr, dass die Mainstreammedien versuchen uns zu kontrollieren, die Regierung versucht uns zu kontrollieren. So es ist kein Geheimnis mehr und ich bin davon von ganzem Herzen überzeugt, dass die Zeit gekommen ist so, weil es ist die Zeit gekommen, dass wir auch aufstehen. Und ich weiß, dass es da draußen ganz viele Leute gibt, die nicht daran glauben, was die uns erzählen, aber trotzdem danach handeln. Die gehen trotzdem Hamsterkäufe machen, die machen genau das, was die uns erzählen, sitzen dann aber in Shishabars und reden darüber, irgendwas kann doch da nicht sein, irgendwas stimmt doch da nicht, irgendwas, irgendwie, so. Wir sind ready, wir hinterfragen mittlerweile, wir glauben nicht einfach, was die uns erzählen und das ist wichtig. […] Wir sollen keine Angst vor dem Virus haben, wir sollten Angst davor haben, was die Regierung mit uns macht, Digga. Das ist das eigentliche, davor sollten wir Angst haben. […]“

Weiterhin nutzt Lovelock deiktische Ausdrücke und erwähnt erstmals, wen er damit meint: „Die Mainstreammedien versuchen uns zu kontrollieren, die Regierung versucht uns zu kontrollieren.“ Durch diese lexikalische und metaphorische Abgrenzung von „wir“ und „die“ versucht Lovelock, die eigene Gruppe deutlich von der „gegenerischen“ Gruppe zu unterscheiden. 

Mit „Die gehen Hamsterkäufe machen, die machen genau das, was die uns erzählen.“ bringt Lovelock ein sog. Strohmannargument vor. Er impliziert, dass die Empfehlung zu Hamsterkäufen von den Medien und/oder der Regierung herausgegeben wurde und entsprechend zu hinterfragen sei. Da jedoch nie eine solche Empfehlung seitens staatlicher oder öffentlich-rechtlicher Organe veröffentlicht wurde, rennt Lovelock damit quasi offene Türen ein.

"Ich geh raus, ich geh immer raus."

„[…] Ich bin ein Mensch, ich hab mich damals dazu entschieden, meinen Job zu kündigen, alles hinzuschmeißen, damit ich auf meinen eigenen Eiern stehe, damit ich meinen eigenen Traum, meine eigene Vision, mein eigenes Leben leben kann. Ohne, dass mir einer vorschreibt, was ich zu tun hab oder was ich nicht zu tun habe, so. Und das werd ich durchziehen bis zum Tod. Das ist mir scheißegal und ich schwör es dir so, so wie ich hier sitze. Ich lass mich nicht einschränken, ich lass mich nicht einschränken. Wenn ich trainieren gehen will, dann geh ich trainieren. Macht die Fitnessstudios zu, dann geh ich in den Park, ist mir scheiß-, ich geh raus, ich geh immer raus. Ich werde nicht zuhause bleiben, ich werde nicht zuhause bleiben.

Und ich will dass ihr auch nicht euch so kontrollieren lasst, dass ihr euch einschränken lasst, dass ihr Angst habt, dass ihr Paranoia habt, dass ihr Hamsterkäufe macht, dass ihr euch Bunker einrichtet, was ich alles mitbekommen hab, Digga. Allein durch diesen psychischen Mindfuck, durch diese Angst, durch diese Paranoia, ihr fickt euch selber, euer Innerliches, ihr kommt aus-, ihr seid nicht mehr ihr selbst, Digga, ihr seid nicht mehr ihr selbst. Und das wollen die doch erreichen, man Alter, die wollen nicht, dass ihr so seid, wie ihr seid. Die wollen, dass ihr so seid, wie die es euch sagen, Digga. Und ich sag es euch, wie es ist. Und es ist mir scheißegal, was auch passiert, Digga. Es ist mir egal. Es ist mir voll egal. Bei dem Thema ist es mir jetzt wirklich egal. Es ist mir egal. Sobald es um meine menschliche Freiheit geht, sobald es darum geht, dass ich sehe, dass andere Menschen sich ficken wegen der Scheiße, dass sie Paranoia bekommen, dass sie psychische Probleme bekommen, dass sie Psychosen bekommen, 100% gibt es Menschen die daran sterben werden, an dieser scheiß Psychose, an diesem Mindfuck, Digga. So, wir nehmen das in uns auf, wir haben Angst, wir gehen nicht mehr raus. Man muss doch mal die ganzen Zeichen sehen, die da kommen so. […]“

Lovelock inszeniert sich nicht nur als Skeptiker, sondern auch als Rebell. Wer das bis zu diesem Punkt im Video noch nicht verstanden hat, bekommt es jetzt nochmal direkt kommuniziert: Er stehe auf seinen „eigenen Eiern“ (O-Ton) und werde das „durchziehen bis zum Tod“. Er stellt sich als radikal dar, was seinen Argumenten mehr Gewicht verleihen soll. 

Mit seinem liebsten rhetorischen Mittel, der Repetitio, läuft Lovelock nun zur Höchstform auf: Er wiederholt nicht nur einzelne Signalwörter wie „Mindfuck“, „Angst“, „Paranoia“ und „Psychose“, sondern auch gebetsmühlenartig ganze Sätze wie „Ich geh raus, ich geh immer raus. Ich werde nicht zuhause bleiben, ich werde nicht zuhause bleiben.“, „Ihr seid nicht mehr ihr selbst, Digga, ihr seid nicht mehr ihr selbst.“

Dieser rhetorische Trick der Wiederholung scheint hier zwar offensichtlich, kann bei einigen Zuschauer:innen jedoch durchaus auf fruchtbaren Boden fallen. Lovelock verwendet die Repetitio quasi in Form eines argumentum ad nauseam: Seine gesamte Argumentation basiert also auf dem Fehlschluss, dass eine Aussage durch mehrfache Wiederholung scheinbar richtiger wird oder besser begründet werden kann. 

"Macht euch ready für den Kampf."

„[…] Macht euch auf andere Sachen gefasst, macht euch gefasst, dass wir rausgehen, dass wir uns das nicht mit uns machen lassen so. Darauf müsst ihr euch gefasst machen. Macht euch ready für den Kampf, Digga, wer weiß, vielleicht ist das die Revolution jetzt. Vielleicht ist es endlich mal das Ding, wo die Leute aufstehen werden und sagen, wir lassen uns von euch Wichsern nicht mehr kontrollieren, wir lassen uns von euch nichts mehr einreden. Wir sind unsere eigenen Menschen so. Das muss es sein so. Das muss es sein. Alle Menschen, die versucht haben euch das zu sagen, die habt ihr für verrückt erklärt, Digga. Die werden in den Medien zerrissen. Checkt das mal bitte, steht auf, Digga. Steht auf, wenn es nur zwei, drei Leute da draußen gibt, die grade den Realtalk fühlen, die grade sagen, ja man, der Bruder hat Recht so. Macht euch bemerkbar so. Und wenn ich rausgehe, dann will ich euch sehen. Wenn ich rausgehe will ich euch sehen, weil ich werde rausgehen, wenn es soweit ist, dass die meine Freiheit einschränken, werde ich rausgehen. Ich werde rausgehen. Und ich will dass ihr hinter mir steht so. Ich will dass ihr auch rausgeht. Hier geht’s nicht mehr um Fame, um Reichweite, dies das. Fuck auf diese Scheiße, fick auf Geld, fick auf alles. Scheiß auf alles, jetzt geht’s um Menschlichkeit, Digga. […]“

Lovelock fährt im Imperativ fort, verwendet also klare Aufforderungen und weiche Befehlsformen: „Macht euch gefasst“, „Macht euch ready“, „Checkt das mal“, „Steht auf“, Macht euch bemerkbar“. 

Er versucht seine Gefolgschaft zu mobilisieren und hinter sich zu versammeln, wünscht jedoch offenbar nur Kontakt zu Zuschauer:innen, die seinen „Realtalk fühlen“, also seine Ansichten zur Verbreitung des Coronavirus teilen. 

Mit der vermehrten Verwendung von Maledicta („Wichser“, „Fuck“, „Scheiße“, „fick“, „Scheiß“) steuert Lovelock lexikalisch wie emotional auf den Höhepunkt seines Videos zu. 

"Jeder von euch hat eine Verantwortung."

„[…] Wenn die wirklich versuchen uns Freigeister einzusperren, Digga, uns mundtot zu machen, dann können wir das nicht zulassen. Das dürfen und können wir nicht zulassen. Wir haben eine Verantwortung, jeder von euch hat eine Verantwortung. Wenn du nur zwei Follower auf Instagram hast, oder einen YouTube-Kanal mit 100 Abonnenten hast so, du hast ne Verantwortung. Versucht einfach mal reflektiert über diese ganze Thematik nachzudenken und zieht euch die Informationen rein, versucht mal frei zu sein von dem was die euch sagen und versucht mal bitte eure eigene Meinung zu bilden. Versucht mal auf euer Herz und auf euer Gefühl zu hören, was ist da wirklich los so. Versucht das mal bitte. Weil es ist jetzt so offensichtlich geworden, wie es noch nie war. Es ist so offensichtlich geworden, wie es noch nie zuvor war so. Es ist eine gewisse Schwelle überschritten und ich weiß auch dass es jetzt noch mehr Menschen gibt, es wird noch mehr Menschen geben, die verstehen, ach du Scheiße, Alter so. Ich war ein riesen Skeptiker von Verschwörungstheorien und von die Regierung kontrolliert uns, wir haben nichts zu sagen. Ich war ein riesen Skeptiker von dieser ganzen Thematik. Aber selbst ich hab’s jetzt gerafft. Ich hab’s verstanden. Es geht hier nicht um einen Virus oder so, ne, geht es nicht. […]“

Lovelocks Vortrag im Treppenhaus kulminiert schließlich in der klaren Forderung an seine Zuschauer:innen, selbst Verantwortung zu übernehmen. Diese Verantwortung, „die Wahrheit“ zu sagen, läge schließlich bei jedem Menschen, auch wenn er NUR zwei Follower hätte.

Lovelock nutzt Formulierungen wie „Vesucht mal auf euer Herz und auf euer Gefühl zu hören“, um positiv konnotierte Allgemeinplätze aufzurufen. Dass es im konkreten Fall einer Virus-Pandemie eventuell eher ratsam wäre, auf den eigenen Verstand sowie prüfbare Informationsquellen zu vertrauen, anstatt auf Herz, Gefühl und YouTuber, wird hier leider nicht weiter thematisiert.

„Selbst ich hab’s jetzt gerafft.“ ist seine abschließende Aussage, die uns vermutlich alle nachdenklich stimmen sollte.

Ihre Kundschaft sucht im Internet nicht nach Werbung.

Deshalb entwickeln wir maßgeschneiderte, hochwertige Inhalte für Webseiten, Corporate Blogs und Social Media, die Ihre potentielle Kundschaft direkt auf Ihre Webseite bringen.

5. Carmen Geiss und die Corona-Zwiebel-Theorie

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

NETZFUND 👌 Im Jahr 1919 starben 40 Millionen Menschen an der Grippe. Ein Arzt besuchte die vielen Bauern, um zu sehen, ob er ihnen bei der Bekämpfung der Grippe helfen konnte. Viele der Bauern und ihre Familien hatten sich mit der Grippe angesteckt und viele starben. Der Arzt stieß jedoch auf einen Landwirt, dessen Familie vollkommen gesund war, niemand im Haus war an der Grippe erkrankt. Der Arzt fragte den Landwirt, was er mache, das sich von den anderen unterscheiden würde. Die Bäuerin antwortete, dass sie lediglich eine geschälte Zwiebel in eine Schale getan und sie in allen Räumen des Hauses platziert habe. Der Arzt dachte, das könnte eventuell das Heilmittel gewesen sein. Also fragte er nach, ob er eine dieser Zwiebeln haben könnte. Als er sie unter das Mikroskop legte, fand er den Grippevirus in der Zwiebel. Die Zwiebeln absorbierten offensichtlich alle Bakterien und hielten so die Familie gesund. Nun habe ich diese Geschichte an einen Freund in Oregon geschickt, der mir regelmäßig Material zu Gesundheitsfragen zur Verfügung stellt. Er antwortete mit dieser höchst interessanten Erfahrung über Zwiebeln: "Danke für die Erinnerung. Ich kenne die Geschichte des Landwirts nicht, aber ich weiß, dass ich selbst eine Lungenentzündung bekam und sehr krank wurde. Aufgrund meiner früheren Kenntnisse über Zwiebeln schnitt ich beide Enden einer Zwiebel ab, legte sie in ein leeres Glas und stellte das Glas über Nacht neben mich. Am Morgen begann ich mich besser zu fühlen, während die Zwiebel schwarz wurde. Wenn wir Magenprobleme haben, wissen wir oft nicht, woran das liegen könnte. Vielleicht sind die Zwiebeln, die wir zuvor gegessen haben? *Zwiebeln ABSORB BACTERIA* und das ist der Grund, warum sie so gut darin sind, uns vor *Kälte und Grippe* zu schützen. Und genau aus diesem Grund sollten wir NICHT eine Zwiebel essen, die eine Zeitlang aufbewahrt wurde, nachdem sie *aufgeschnitten* wurde. Wenn eine Lebensmittelvergiftung gemeldet wird, suchen die Beamten als erstes danach, ob das "Opfer" *Zwiebeln* gegessen hat und woher diese Zwiebeln kamen. Höchstwahrscheinlich sind die *Zwiebeln* die Ursache. *Zwiebeln sind riesige Magneten* für Bakterien, besonders u

Ein Beitrag geteilt von Carmen Geiss 👑 (@carmengeiss_1965) am

Im Instagram-Post von Carmen Geiss am 29. Februar 2020 geht es zur Abwechslung nicht um die Ursachen und Hintergründe des Coronavirus, sondern um eine unbekannte Heilmethode: Zwiebeln. Jedoch nicht etwa als Zwiebelsaft zur oralen Einnahme, sondern als eine Art lauchiges Schutzschild, welches seine Wirkung über die Raumluft entfalte.

Geiss titelt: „Netzfund“ und distanziert sich somit von der Urheberschaft des Textes, weist jedoch via Emoji und Videobotschaft darauf hin, dass sie die vorgetragenen Ansichten teilt. Zugegebenermaßen wird hier kein direkter Bezug zum Coronavirus hergestellt, doch kann anhand des Upload-Datums auf einen Zusammenhang geschlossen werden. Da auf Instagram lediglich Beiträge mit Bild/Video veröffentlicht werden können, zeigt sich Geiss für einige Sekunden auf einem Boot (für die Kunstfigur Geiss durchaus authentisch) mit den Worten „Hallo ihr Lieben, bitte lest das, es ist mir sehr, sehr wichtig. Ich glaube auf jeden Fall da dran.“

Der bereits bekannte Zwiebel-Kettenbrief arbeitet rhetorisch gesehen mit folgenden Mittel:

Zunächst werden historische Fakten zur spanischen Grippe aufgerufen, die die Lesenden auf eine eine wahrheitsgetreue Darstellung im Folgenden hoffen lassen. Doch entfaltet sich bereits im zweiten Satz ein Narrativ, das gänzlich ohne überprüfbare Fakten auskommen muss: „Ein Arzt besuchte die vielen Bauern […]“ Dieses erzählende Element schließt mit der Erkenntnis des unbekannten Arztes, dass Zwiebeln „offensichtlich alle Bakterien“ absorbierten und allein durch die räumliche Nähe zu aufgeschnittenen Zwiebeln, eine Grippeansteckung verhindert werden könne.

Diese Geschichte, die sich vor rund 100 Jahren zugetragen haben soll, wird im Corona-Kettenbrief durch eine weitere Instanz legitimiert: Es wird ein „Freund“ eingeführt, „der mir regelmäßig Material zu Gesundheitsfragen zur Verfügung stellt“. Mit dieser Beschreibung soll eine vermeintliche Nähe zum medizinischen Fachbereich hergestellt werden, was besagtem „Freund“ eine höhere Relevanz in seiner Funktion als Social Proof zuschreiben soll. Seine Antwort auf die Zwiebelgeschichte von 1919 wird in direkter Rede zitiert, was die Authentizität und Glaubwürdigkeit der vorgebrachten Aussagen untermauern soll. Der Zitierte wiederholt die zuvor beschriebene Vorgehensweise, legt seine aufgeschnittenen Zwiebeln jedoch in ein Glas, anstatt in eine Schale (wir sind schließlich im Jahr 2020!). Glücklicherweise reagiert die Zwiebel in der Geschichte entsprechend anschaulich: „Am Morgen begann ich mich besser zu fühlen, während die Zwiebel schwarz wurde.“

Der Kettenbrief schließt mit einigen undurchsichtigen Andeutungen, Anglizismen und Sonderzeichen in Hülle und Fülle (*Zwiebeln ABSORB BACTERIA*, *Kälte und Grippe*, *Opfer*, *Zwiebeln sind riesige Magneten*). Leider fehlt ein Teil des Textes („besonders u“), sodass den Fans von Carmen Geiss die letzten kostbaren Worte des unbekannten Autors/der unbekannten Autorin leider verborgen blieben.

 

6. Was haben die Strategien von Wodarg, Lovelock und Geiss gemeinsam?

Zunächst und zuvörderst haben alle drei vorgestellten Personen eine bestehende Reputation bzw. ein allgemein bekanntes Image, mit der/dem es ihre Aussagen zur Corona-Pandemie in Einklang zu bringen gilt. Das bedeutet im Falle von Wodarg, dass er mit medizinischen und wissenschaftlichen Argumentationsstrategien am glaubhaftesten wirkt. Lovelock ist hingegen bereits bekannt für seine „Real Talks“ und sieht sich offensichtlich in der Position, kein Blatt mehr vor den Mund nehmen zu müssen. Wie selbst beschrieben, fürchtet er keine negativen Konsequenzen, ist sich aber bewusst, dass diese für ihn eintreten werden, wenn der entsprechende Teil seiner Abonennt:innen das Kanal-Abonnement aus politischen und moralischen Gründen beendet. Bei Carmen Geiss sind sich letztendlich auch Medienprofis uneins darüber, ob sie mit ihrem Post bestimmte Ziele verfolgt. Oft scheinen derartige Posts so unbedacht und unbefangen veröffentlicht worden zu sein, dass man gar nicht von einer tatsächlichen Identifikation der postenden Person mit den geposteten Inhalten ausgehen kann. Sollte es im Falle der Zwiebel-Theorie doch der Fall sein, wünschen wir Carmen Geiss natürlich nur das Beste und einen raschen Erfolg mit ihren neuen duftenden Deko-Elementen.

Weitere spannende Artikel für Sie:

Die Rhetorik der Verschwörungstheoretiker:innen am Beispiel des Coronavirus 2020

Verschwörungstheoretiker:innen nutzen bestimmte sprachliche Mittel und rhetorische Strategien, um ihre Sichtweisen als plausibel darzustellen. Welche das sind und wie wir sie erkennen, klären wir im folgenden Artikel.

Wie spricht man einen Genderstern? Gendersprache in Podcasts, YouTube-Videos und Öffentlichkeitsarbeit

Wie spricht man einen Genderstern? Gendersprache in Podcasts, YouTube-Videos und Öffentlichkeitsarbeit

Gendern in der gesprochenen Sprache, wie soll das gehen? Spreche ich bei einem Vortrag den Genderstern (Bäcker*in) als Stern aus oder füge ich spontan eine Verdoppelung (Bäcker und Bäckerin) ein? Überlese ich Binnenversalien (BäckerIn) einfach und wechsle damit ins generische Femininum? Aus Rache?
Wir haben einige der bekanntesten Ausspracheregeln für Genderformen in diesem Artikel zusammgefasst.

SEO mit Stil? Rhetorische Stilmittel in der semantischen Suchmaschinenoptimierung

SEO mit Stil? Rhetorische Stilmittel in der semantischen Suchmaschinenoptimierung

SEO-Texte haben einen schlechten Ruf. Das liegt vor allem daran, dass das SEO-Handwerk in den ersten Jahren des Google-Zeitalters gezwungen war, mit eher leserunfreundlichem Werkzeug zu arbeiten. Inzwischen sind jedoch stilvolle SEO-Texte gefragt, die Menschen und Maschinen gleichermaßen begeistern. Welche rhetorischen Stilmittel geeignet sind, um Texte für Suchmaschinen zu optimieren, haben wir im folgenden Artikel für Sie zusammengefasst.

info@leonarto.de

Wir lieben die digitale Kommunikation. Deshalb freuen wir uns über Ihre Nachrichten - rund um die Uhr.

Neues Feld