Gender-SEO

Geschlechtergerechte Sprache in der Suchmaschinenoptimierung

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Gender-SEO? Geht das zusammen? Oder werden Texte, die geschlechtergerechte Sprache und gegenderte Formulierungen beinhalten, mit schlechteren Platzierungen in den SERPs bestraft? Welche Gender-Sonderzeichen werden von den Suchmaschinen erkannt und welche Gender-SEO-Strategien funktionieren wirklich?

Februar 5, 2020

Written by Carina D. Bukenberger

Germanistin und Rhetorikerin M.A.

1. Ist Google bereit für gegenderte SEO-Texte?

Die Algorithmen der Google Crawler werden regelmäßig aktualisiert, keine Frage. Doch spielen dabei auch sprachliche Entwicklungen wie die Einführung einer geschlechtergerechten deutschen Sprache eine Rolle? Oder werden Texte, die diversitätssensible Formulierungen beinhalten, mit schlechteren Platzierungen in den SERPs (Search Engine Result Pages) bestraft? Welche Sonderzeichen werden von den Crawlern überlesen, welche werden nicht erkannt und damit fehlerhaft ausgelesen? Welche Berufsgruppen sind besonders betroffen vom Google Gender Bias und welche Möglichkeiten haben SEO-Texterinnen und Texter, auf diese technische Rückständigkeit zu reagieren? Diesen Fragen rund um die SEO-Gender-Rhetorik widmen wir uns im folgenden Artikel und finden hoffentlich Antworten, die für die Entwicklung einer gendergerechten Sprache sprechen.

2. Gender Bias bei Google

Gender-Ungleichgewicht bei Berufsbezeichnungen in der Google-Suche

Als Gender Bias bezeichnet man im Allgemeinen einen geschlechterbezogenen Verzerrungseffekt, der durch bestimmte Formulierungsweisen hervorgerufen werden und zu einer falschen Wahrnehmung der Wirklichkeit führen kann. Dieses Phänomen wurde von Malte Landwehr (Searchmetrics) 2019 konkret in Bezug auf das Suchvolumen bereits näher untersucht. Landwehr analysierte die Rankings von 65 Berufen und kam zu folgenden Ergebnissen: 72% des Suchvolumens entfallen auf maskuline Formen, bei 42% der Berufe sogar über 99%. Laut Landwehr sei die einzige Berufsgruppe, welche in der femininen Form ein höheres Suchvolumen aufweist als in der männlichen, die der Kosmetikerinnen.

Für einige Feminist:innen war dieses Ergebnis Grund zur Entrüstung. Schließlich durften Frauen bereits seit 20 Jahren ohne Erlaubnis ihres Ehemannes arbeiten, als Google online ging. Wie konnten dann männliche Berufsbezeichnungen noch einen solchen Vorsprung erreichen? Vermutlich liegt der Unterschied in den SERPs zu großen Teilen darin begründet, dass maskuline Formen häufig auch als neutrale Bezeichnung für Gegenstände und als Beschreibung von Zuständen fungieren. So können die Bezeichnungen Metzger, Bäcker und Friseur als Kurzformen gleichermaßen ein Ladengeschäft, wie auch einen männlichen Vertreter einer Berufsgruppe benennen. Als Kurzform für „Friseursalon“ funktioniert „Friseur“ also wie „Apotheke“. Ob in dieser Apotheke nun Apothekerinnen oder Apotheker arbeiten, ist in diesem Fall genauso irrelevant, wie die Frage nach dem Geschlecht der Fachkräfte im Friseursalon.

3. Gender-SEO mit Sonderzeichen

Was hält google von gender-sternchen, Gender-Doppelpunkt und co.?

Um einen besseren Überblick über den Status Quo der Gender-SEO zu gewinnen, werfen wir zunächst einen Blick auf die Zahlen. Getestet wurden die Berufsbezeichnungen Bäcker:in und Texter:in in verschiedenen Gender-Formulierungen (Stand: Februar 2020).

Suchergebnisse

ermittelt via Google-Suche

Bäcker 59.600.000
Bäckerin 454.000
Bäcker:in 22.500.000
Bäcker*in 56.800.000
Texter 36.100.000
Texterin 388.000
Texter:in 29.100.000
Texter*in 32.700.000

 

Suchvolumen

 ermittelt via ubersuggest

Bäcker 56.800.000
Bäckerin 720
Bäcker:in 140
Bäcker*in 0
Texter 3.600
Texterin 18.100
Texter:in 30
Texter*in 0

 

Wie aussagekräftig ist die Zahl der Suchergebnisse und das Suchvolumen bei Keywords mit Genderzeichen?

Für SEO-Neulinge kurz erklärt: Das Suchvolumen gibt an, wie oft ein bestimmtes Keyword während eines Monats gesucht wurde und ist in der Regel ein kostbares Werkzeug für SEO-Texter:innen bei der Keyword-Analyse. Dass man sich jedoch nicht immer auf Hilfsmittel wie ubersuggest und Co. verlassen kann, wird am obigen Beispiel deutlich: Während Google unsere getesteten Sonderzeichen (Gender-Sternchen und Gender-Doppelpunkt) in irgendeiner Form überliest oder umdeutet, scheint ubersuggest bei Sonderzeichen einen feineren Filter anzulegen. Ebenfalls überraschend ist das von ubersuggest erfasste Suchvolumen zu <Texterin> (18.100) im Vergleich zu <Texter> (3.600), womit ganz nebenbei eine weitere Berufsgruppe gefunden wäre, die in der femininen Form häufiger gesucht wird.

Auch die hohe Suchergebnis-Anzahl für Keywords mit Genderzeichen ist durchaus ein kleiner Grund zur Freude. Werden in Webtexten Sonderzeichen zur Unterstützung einer inklusiven Sprache verwendet, so können verbesserte Rankings für beide Formulierungen erreicht werden: Eine Seite die für das Mainkeyword <Bäcker:in> optimiert wurde, kann bei entsprechender Gesamt-Optimierung in den Suchergebnissen für <Bäcker:in>, <Bäcker> und <Bäckerin> hohe Platzierungen erreichen.

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4. Gender-SEO bei Berufsbezeichnungen

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Mit sprachlicher Varianz zum perfekt gegenderten SEO-Text

Bei der Optimierung von Webtexten stellt sich insbesondere bei OnePage-Webseiten immer häufiger die Frage, für welches Geschlecht optimiert werden soll. Wie bereits festgestellt, werden männliche Berufsbezeichnungen weitaus öfter gesucht als weibliche, aber „Lisa Müller – Friseur aus Leidenschaft“ klingt doch wirklich nicht gut und ist rein grammatikalisch falsch, solange „Friseur“ als Personenbeschreibung fungiert und sich konkret auf die Person der Lisa Müller bezieht. Kann also überhaupt für den Begriff <Friseur> optimiert werden, wenn der einzige Mann im Salon die Putzkraft ist? Ganz abgesehen von ethischen Fragen, wie: Sollte ein Frauenarzt die Formulierung <Frauenärztin> in versteckten Metatags benutzen, um auch Kundinnen anzuziehen, die Wert auf die Weiblichkeit Ihrer Ärztin legen?

 

SEO-freundliche Möglichkeiten maskuline und feminine Formen von Berufsbezeichnungen zu integrieren

Häufig können derartige Probleme mit strategisch platzierten Formulierungen umgangen werden. So lässt sich die maskuline Form einer Berufsbezeichnung beispielsweise durch Begriffspaare integrieren (Friseur-Salon, Friseur-Profis, Friseur-Fachkräfte). Umgekehrt können männliche Vertreter eines bestimmten Berufs in CTAs oder im Footer mit weiblichen Formen arbeiten: „Sie sind nicht mehr zufrieden mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt? Wir unterstützen Sie bei Ihrem Wechsel und kümmern uns um die Übergabe Ihrer Krankenunterlagen.“ Auf diese Weise können Formulierungen genutzt und damit von Crawlern auch im Fließtext erfasst werden, ohne dass falsche Tatsachen vorgetäuscht werden müssten. Dementgegen steht allerdings die Gefahr einer hohen Absprungrate: Finden Seitenbesucher:innen auf der aufgerufenen Webseite nicht innerhalb kürzester Zeit das, wonach sie gesucht haben (z.B. eine weibliche Ärtzin auf den Fotos), verlassen sie die Webseite wieder. Diese sogenannte Bounce Rate ist eine wichtige Kennzahl im Bereich der Suchmaschinenoptimierung, denn sie gibt Google Aufschluss darüber, welchen Wert eine bestimmte Webseite für die Seitenbesucher:innen hat. Deshalb gilt es für SEO-Texterinnen und Texter hier genau abzuwägen, welche Abweichungen für einen Großteil der Suchenden noch tolerierbar sind und welche zum schnellen Absprung führen.

Eine einfache Möglichkeit, eine sinkende Bounce Rate durch die Integration von Genderformen zu SEO-Zwecken zu umgehen, sind redaktionelle und informative Inhalte. Deshalb empfiehlt sich insbesondere in schwierigen oder grenzwertigen Fällen dringend eine Erweiterung der entsprechenden Firmenwebseite um individuell aufbereitete Landingpages oder Blogartikel: Diese können dezidiert für bestimmte Geschlechterformen als Mainkeywords optimiert werden und den Seitenbesucher:innen gleichzeitig durch professionell recherchierte Inhalte einen tatsächlichen informativen Mehrwert bieten.

5. Warum der Gender Bias für gute SEOs irrelevant ist

Unsere Stärke ist die semantische Suchmaschinenoptimierung und die redaktionelle Contentproduktion. Damit ist es für uns eine leichte Übung, die verschiedensten Formulierungen (Steuerberater, Steuerberaterin, Steuerberatung, Steuerberatungsfachkraft, Steuerberatungskanzlei, Steuerberatungsbüro…) elegant an den richtigen Stellen im Text zu platzieren. Wir arbeiten zudem mit strategischem Linkbuilding, sodass bestenfalls Toprankings für sämtliche Formulierungen erreicht werden, – ganz gleich ob der oder die Seiteninhaber:in nun männlich, weiblich oder divers ist. Diese Information kann theoretisch auf der „Über mich“-Seite kommuniziert werden, sollte aber bei der eigentlichen Entscheidung für oder gegen eine:n Dienstleister:in keine Rolle spielen: Im Fokus guter SEO-Texte steht die Dienstleistung oder das angebotene Produkt an sich. Wird dieses Thema branchenspezifisch und in seiner vollen Tiefe textlich und rhetorisch aufbereitet, werden ohnehin alle für das Unternehmen relevanten Keywords in H1-H5 Tags vorhanden sein, sodass das Geschlecht der Unternehmerin oder des Unternehmers gänzlich an Relevanz für die Suchmaschinenoptimierung verliert. 

Ein anderes Thema ist dagegen die Suchmaschinenoptimierung im identitätsbasierten Marketing, sofern der/die Unternehmer:in als aktiver Teil der Corporate Identity des Unternehmens fungiert. Hier gilt es mit besonderem Fingerspitzengefühl zu optimieren, um sowohl Gender Bias und CI der zu optimierenden Webseite in den SEO-Texten optimal zu berücksichtigen.

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